Petruskapelle Palenberg
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Petruskapelle

 

 
 
 
 
 
 
eingerüstete Petruskapelle

eingerüstete Petruskapelle

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Die Petruskapelle

Im Volksmund auch 'Karlskapelle' genannt

Das wichtigste Wahrzeichen der Stadt Übach-Palenberg - eine der bedeutendsten rheinischen Frühkirchen

Die St. Petruskapelle - im Volksmund auch Karlskapelle genannt - ist schon ein seltsames, ehrwürdiges Überbleibsel aus der christlichen Frühzeit unserer Gegend. Man kann sie auch als eine Art Reliquie ansehen. Glücklichen Umständen ist zu verdanken, dass sie überhaupt noch existiert. Als Palenberg noch ein kleines verträumtes Örtchen war, bildete sie inmitten ihrer dunklen Eiben und Buchsbäume und im Gehege ihrer Hainbuchenhecken den Mittelpunkt dieses friedlichen Dörfchens.

Die Kapelle trägt den Namen Karls des Großen, und vielfach wird die Vermutung geäußert, dass es sich um eine Jagdkapelle des „nahegelegenen“ Kaisers gehandelt haben könnte. Als einziger „Beweis“ dienen zeitliche Indizien, die die Existenz eines Gotteshauses in dieser Zeit als realistisch erscheinen lässt. Nach Ansicht archäologischer Fachleute stammt der älteste Teil der Kapelle aus dem 11. Jahrhundert. Wie andere rheinische Frühkirchen auch (nach P.A. Tholen) soll es sich um einen turmlosen rechteckigen Saalbau mit ebenfalls rechteckigem Chorabschluss gehandelt haben.

Die jetzige, später umgebaute Chorpartie ist wenigstens in den unteren Teilen aus Kaiser Ottos Zeiten. Das Mauerwerk ist ein „ehrwürdiges“ Konglomerat aus den verschiedensten Baustoffen eines knappen Jahrtausends: Lesesteine, Flußkiesel, Bruchsteine, römische Ziegelbrocken, mittelalterliche Backsteine, Zementverputz und neuzeitlicher Flickmörtel. Nur die Tatsache, dass sich auf dem jetzigen Standort der Karlskapelle im 7. Jahrhundert ein Gräberfeld befand und darauf eine Holzpfostenkirche gestanden hat (spätes 8. Jahrhundert), belegt die zeitliche Nähe zu Karl dem Großen. Ein weiteres Indiz ist die Ostung der Kirche, d.h. die Holzkirche hatte fast exakt die gleiche Ausrichtung wie der Aachener Dom. Dass ein Abriss vor allem aus historischer Sicht unverantwortlich gewesen wäre, zeigten die 1957 aufgefundenen Reste einer achteckigen Taufanlage im Kircheninneren. Dieser Fund machte die kleine Kirche baugeschichtlich über die Grenzen des Rheinlandes hinaus bekannt. Die Einmaligkeit dieser Taufanlage lässt auch die Theorie zu, dass hier nicht nur Taufen aus der unmittelbaren Umgebung, sondern auch aus umliegenden Dörfern vorgenommen wurden. Das Achteck bestand aus stabilen Balkenbrettern, die mindestens 20 cm in eine Grube eingelassen waren und von einem stabilen Eisenband zusammengehalten wurden.

Das Schiff der Kapelle ist im Inneren 9 Meter lang und 6 Meter breit mit sichtbar vermauerten Fenstern in der Süd- und Nordwand. Es wurde im 12. Jahrhundert durch ein südliches Seitenschiff erweitert. Kurz danach trat an die Stelle des alten Rechteckchores aus dem 11. Jahrhundert ein neuer tonnengewölbter Raum mit gestelzter Apsis. Auf Initiative des Kirchenmeisters Hermann von Mirbach aus Zweibrüggen wurde in den Jahren 1650 bis 1653 die nördliche Vorhalle (Eingangshalle) mit offenem Kamin an der inneren Nordwand angebaut. Auch die Ziegelsteinaufmauerungen der heutigen West- und Südgiebel und die damit verbundene Änderung der Dachkonstruktion wurden damals ausgeführt. In den unsicheren Zeiten des 17. Jahrhunderts dienten diese Anbauten Wachmannschaften als Unterkunft und Ausblick über das freie Tal der Wurm. Die noch erhaltenen Schießlöcher im aufgemauerten Südgiebel des Seitenschiffes (vier, drei, zwei, eines, in Reihen übereinander) verdeutlichen diesen Bedrohungsumstand. Dort sollen sich auch die Wohnräume für die Wache befunden haben. Süd- und Westgiebel sind in den unteren Teilen aus schweren, unregelmäßigen Bruchsteinen glatt aufgemauert. Der schlanke Dachreiter (das Türmchen) mit dem achtseitigen Helm gehört zu den jüngeren Teilen des Kirchleins. Er ist durch schweres Zimmerwerk im Westbau gegründet. Früher war auf dem Chordach ein schönes spätgotisches Kreuz aus Schmiedeeisen. Dies fiel aber dem Zahn der Zeit zum Opfer.

Der Friedhof in der Umgebung der Kapelle birgt noch manches der schönen alten Grabkreuze aus Sandstein und Namurer Blaustein, liebenswerte Zeugnisse einer bodenständigen Grabmalkunst.

Im 18. Jahrhundert diente der Friedhof auch als Versammlungsort für die Kirchengemeinde, wobei der Kirchenmeister Rechenschaft über seine Verwaltung geben musste. Damals schien die Umgebung der Karlskapelle von prächtigen alten Bäumen beschattet gewesen zu sein; denn im Jahre 1783 berichtet man von dem Verkauf von sechs Eichen.

Von 1957 bis 1960 wurden zahlreiche Schäden an der Karlskapelle beseitigt. Das Mauerwerk wurde alleine mit 170 Sack Zement wieder innerlich befestigt. Vor allem die starke Rissbildung im Südgiebel, in der nördlichen Lagerhauswand, in der Fensterzone und im Gewölbe des Chorraumes machten diese Arbeiten notwendig. Die Risse in der Mauer erklärten sich auch durch eingemauerte große Sandsteinquader, die einfach lose aufeinandergeschichtet waren. Da viele Schäden auch wegen des Bergbaus verursacht worden waren, übernahm die damals noch aktive Zeche Carolus Magnus ein Großteil der Kosten. In den zum südlichen Seitenschiff sich öffnenden, nachträglich eingebrochenen Arkaden waren die Quader in der Leibung abgespitzt. Ihre ungewöhnlich großen Abmessungen und die vorhandenen „Wolfslöcher“ lassen auf eine Zweitverwendung schließen, d.h. sie waren Überreste aus römischer Zeit.

Auch wurde eine Neuverschieferung der Dachfläche vorgenommen, ebenso war eine Erneuerung umfangreicher Teile der Holzkonstruktion des Daches und des Glockenturmes notwendig. Die dabei stark nach Westen geneigte achtseitige Helmspitze musste gehoben und gerichtet werden. Die im Haupt- und Seitenschiff vorhandene abgängige flache Putzdecke mit sichtbaren Unterzügen machte einer Holzdecke Platz. Als Fußbodenbelag kamen im Chor bis zur Kommunionbankstufe Blausteinplatten, im Schiff in Anlehnung an den in Resten vorhandenen Tonplattenbelag neue Tonplatten zur Anwendung. Dabei konnte der an der Westwand im Boden vorgefundene Sandsteinblock mit eingemeißeltem Kreuz an der alten Stelle erhalten werden. Auch das Äußere wandelte sich dabei vollkommen. Ein weißer Schlämmanstrich gab dem vorher sehr trist erscheinenden alten Gotteshaus ein sehr schönes Aussehen.

Eine weitere Überraschung brachten die starken Zerstörungen des Innenputzes im Chorjoch und der Apsis zu Tage. Es kamen alte Ausmalungen zu Tage, die dann auch freigelegt wurden. Es waren im Grunde nur noch Fragmente bzw. bescheidene Umrissspuren erkennbar, aber dennoch konnte man größtenteils die Motive identifizieren. Eine Christusdarstellung mit einer Mandorla (heilige Aura) konnte man erkennen, ebenso wie die Symbole der vier Evangelisten, wovon der Löwe des hl. Markus rechts unten besonders gut erhalten geblieben war. Am nördlichen Gurtbogenansatz ist die Verkündigung dargestellt. Daran schließt sich zwischen dem nördlichen und mittleren Fenster der Apsis die Geburt Christi an. Die Konturen eines Männerkopfes, vermutlich Josefs und zwei Tierköpfe im oberen Teil über einem Band sind noch zu erkennen. Zwischen dem mittleren und südlichen Fenster ist die Flucht nach Ägypten dargestellt, während die geringen Malereireste rechts vom südlichen Fenster auf die Darbringung Christi im Tempel schließen lassen.

Die Gemälde im Tonnengewölbe des Chorjoches zeigen vier Darstellungen in je zwei übereinander angeordneten, abgegrenzten Feldern. Im Scheitel der Tonne ist in einem schmalen Feld eine rote Kreiszeichnung, vermutlich eine Aureole sichtbar, die von halbfigurigen Engeln gehalten wird. Das südliche Rechteckfeld ist im Verlauf zu den anderen Darstellungen am besten erhalten. Es zeigt einen Mann auf dem Sterbebett. Seine Seele in Gestalt eines kleinen Menschen entsteigt seinem Körper und wird von zwei Dämonen ergriffen. Am Kopf- und Fußende der Lagerstatt stehen Trauernde, einige mit gekrönten Häuptern. Insgesamt konnte man feststellen, dass die Gemälde im 13. Jahrhundert entstanden sein könnten.

Die alten Glocken der Karlskapelle von 1467 und 1537 sind nicht mehr vorhanden. Estere wurde 1923 wegen eines Risses zerschlagen und durch eine genaue Nachbildung ersetzt. Die zweite Glocke wurde 1854 wegen eines Bruches umgegossen und 1917 im Ersten Weltkrieg zum Einschmelzen abgeliefert.

Die Mitte der 70er Jahre vorgenommene Umgestaltung des direkten Umfeldes der Karlskapelle (u.a. Betonsichtmauer mit Bänken) ließen das aktuelle Aussehen in diesem Bereich entstehen. Weitere gründliche Renovierungen im Innen- und Außenbereich in den Jahren 1988 und 1990 trugen der großen Bedeutung dieses mittlerweile über 1000 Jahre alten Kleinodes weiter Rechnung.

Die Karlskapelle ist heute das wichtigste Wahrzeichen für Übach-Palenberg. Die Schilderung hier möge mit dazu beitragen, sich dieses Wertes noch mehr bewusst zu werden.

(Zusammenfassung der Beiträge aus den Heimatkalendern der Jahre 1951 und 1968 sowie Informationen von Hubert Rausch. Beitrag entnommen aus „Frelenberg und Zweibrüggen – wie es einst war“ von Jürgen Klosa).

entnommen von: http://liveserver5.ionas.de/brd/nrw/c5/sv_uebach_palenberg/unsere_stadt/interessant_und_sehenswert/st_petruskapelle_karlskapelle/index.html - Dort sind auch viele Fotos zur Geschichte zu finden.

 
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